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03. April 2025

Frauenherzgesundheit

Franziska Bleis erzählt ihre persönliche Geschichte mit dem Hintergrund, warum man seine Herzgesundheit im Blick halten sollte!

Mein Name ist Franziska Bleis. Ich bin 42 Jahre alt, verheiratet und Mutter einer Tochter. Mit 37 Jahren änderte sich mein Leben schlagartig und ich kämpfte um mein Leben. Dass es dabei mein Herz war, das drohte zu versagen war für mich undenkbar. Ich war eine fitte, umtriebige, voll berufstätige (Kardio der Charite) und gesunde junge Frau.

Am 1. Dezember 2019 bekam ich eine Erkältung. Ich schonte mich. Machte keinen Sport, kein tägliches 20 km Radfahren zur Arbeit. Ich ging zum Arzt und blieb zu Hause. Dann kippte mein Zustand: Ich kam ins Krankenhaus, benötigte High Tech Medizin und war völlig verzweifelt. Krank zu sein, nahm für mich eine neue Dimension ein. Plötzlich ging es um mein (über-)Leben. Dabei war die Erkältung zunächst gewöhnlich verlaufen, nur mit leichtem Fieber. Nach der ersten Woche entwickelte ich allerdings Husten und empfand ein zunehmendes und deutliches Krankheitsgefühl. Mein Mann und meine 8-jährige Tochter brachten mich am 3. Advent ins Krankenhaus. Innerhalb weniger Stunden ging es mir so viel schlechter. Die wenigen Schritte in die Notaufnahme musste ich gestützt werden. Mittlerweile hatte ich einen mir bisher unbekannten Druck auf Brust und Oberbauch. Mein Herz hämmerte viel zu schnell und die Luft war knapp, und jetzt auch noch die Übelkeit. Ich hielt mich an den Gedanken einer Lungenentzündung fest. Das Einzige das für mich in Frage kam. Denn ich war zu jung, zu wissend und eine Frau, um was anderes zu haben.

Ich musste an den Herzkatheter und ein Herzinfarkt konnte ausgeschlossen werden. Kurz war meine Welt in Ordnung, auch wenn mein Herz sehr schwach war. Nur wenige Stunden danach bekam ich mehrfach schwere Herzrhythmusstörungen und mein Körper geriet in einen schweren kardiogenen Schockzustand. Mein fittes, trainiertes Herz versagte!! Wieder wurde ich ins Herzkatheter-Labor gebracht, aber dieses Mal als Notfall, um mir eine lebensrettende MICRO-Herzpumpe einzusetzen (IMPELLA). Ich weiß genau, wie der junge Arzt am Bettende stand und ins Telefon zu meinem Mann sagt: „Ihrer Frau geht es nicht gut. Ihr Zustand ist sehr kritisch“. Ich glaubte nicht, was ich da hörte. Das Wort KRITISCH durchdrang meinen Verstand, nur begreifen konnte ich es nicht. Die nächsten Wochen auf der Intensivstation waren furchtbar. Meine Diagnose: eine schwere Form der Herzmuskelentzündung, die hochgradig autoimmun war, eine sogenannte eosinophile Myokarditis. Körpereigene Abwehrzellen griffen den Herzmuskel an. Die Folge waren Vernarbungen, die wiederum die Ursache für bösartige Herzrhythmusstörungen waren. Die Herzpumpe konnte zwar nach einer gewissen Zeit wieder entfernt werden, doch ich brauchte nun einen implantierten Defibrillator (ICD).

Nach 3 Monaten war ich wieder zu Hause. Doch mein Herz war schwer geschädigt. Im Sommer wurde ich vom ICD mitten in der Nacht geschockt, während meine Tochter neben mir schlief. In der Folge musste ich auf die Liste für eine Herztransplantation. Mein eigenes Herz zu verlieren, um zu überleben, passte nicht in meinen Lebensplan. Ich hatte mich schon viele Jahre zuvor als Organspenderin positioniert. Aber selbst ein Organ zu benötigen war nicht zu glauben. Als ob es körperlich nicht schon schlimm genug war, musste ich immer mehr Abschied nehmen von der Franziska, die ich unbedingt wieder sein wollte. Vor allem sorglos wollte ich wieder sein und naiv mein Leben leben. Denn meine damaligen, vermeintlichen Sorgen waren nichts gegenüber diesen Geschehnissen und der fatalen Wahrheit, der ich ins Auge blicken musste.

Tod, Krankheit und Siechtum kann jeden überwältigen. Sogar ohne dass man dafür alt genug ist, das richtige Geschlecht hat oder auch die richtigen Risikofaktoren auswiesen bekommt. (IRONIE off) Ich stellte fest, dass ich medizinisch zwar so viel wusste über Herzerkrankungen, aber vergessen hatte auf mein Inneres zu hören. Ich wusste nicht, wie mein Herz klingt. Heute weiß ich das ganz genau. Jetzt habe ich nicht nur die Termine meiner Tochter im Kopf und strieze meinen Mann zu Vorsorgeuntersuchungen, sondern ich diskutiere mit Menschen, ob eine Erkältung mit dem verharmlosenden Wort NUR bedacht werden sollte. Heute lausche ich dem Klang meines Herzens ignoriere ich nie wieder. Heute ist das alles für mich GESUNDHEITSMANGAMENT und keine Last und dazu gehört Wissen, Sport und die richtigen Ärzte und auch meine Stamm-Apotheke.

Um meine Geschichte noch zu Ende zu bringen. Zwischen der Listung zur Herztransplantation und meiner Transplantation lagen 1 Jahr und 9 Monate. Nachdem mein Mann mich noch 2-mal reanimieren musste, wurde ich in den Status HOCHDRINGEND (HU) für eine Transplantation erhoben und musste fortan im Krankenhaus warten. 67 Tage betrug diese Wartezeit, bis ich am 15. März 2022 mein Spenderherz erhielt. Die Transplantation ist ohne Komplikationen verlaufen. Mein neues Herz fing von allein in meinem Körper an zu schlagen und tut es bis heute und hoffentlich noch sehr, sehr viele weitere Jahre. Das Thema Organspende ist ein Wichtiges, das keiner ignorieren sollte. Denn eine Geschichte, wie die Meine sollte jedem einen Moment des Nachdenkens schenken. Kümmern sie sich um Themen die unbequem sind, denn es erscheint nur so, als ginge es nur die Anderen etwas an. Es ist wichtig sich bewusst mit dem eigenen Körper auseinander zu setzen. Ihn zu kennen und informiert zu sein, um frühzeitig Warnsignale ernst zu nehmen.

Franziska Bleis